Aktuell: 2.11.-30.11.08 Filipa César (Berlin, Lissabon)- Nermine El Ansari (Kairo)

Ausstellung "Kafka" vom 7. 02. bis 16.03. 2007
Vernissage am 7.02. um 19.00 Uhr

di - fr 14 bis 18 Uhr, so 14 bis 17 Uhr geöffnet
(auf Wunsch auch gerne ausserhalb dieser festen Zeiten)

Eva Ammermann:
Meine Fotografien stehen nicht für eine Erzählung von Franz Kafka, auch wenn die Näher zur „Verwandlung“ - Mensch/ Insekt nahe liegt. Kafka wollte keine Bilder des Käfers zu seinem Werk um Raum für die Vorstellung des Lesers zu lassen. Die Fotografien trotzdem in diesen Zusammenhang zu stellen, bedeutet für mich die Annäherung an eine kafkaeske Befindlichkeit. Eine Befindlichkeit des unheimlichen, rätselhaften, Dem Gefühl des Ausgeliefertseins und drohenden Verlustes der Identität.

Eva Ammermann

Claudia Bormann:

Zu Kafka: "Ich bin auf der Jagd nach Konstruktionen. Ich komme in ein Zimmer und finde sie weißlich ineinander gehen:" (Tagebuch)

Auffallend bei Kafka finde ich seinen nüchtern-schnörkellosen Sprachstil, das Unterordnen aller Beobachtungen und Inhalte unter eine abstrakte Konstruktion, die Unmöglichkeit, die Dinge zu durchschauen bei gleichzeitiger Transparenz und Schönheit der Sprache. Eine Ambivalenz zwischen künstlerischer Sprachklarheit und auswegsloser Dickichte, Tiefen und Verstrickungen. Die Bilder für die Ausstellung sind reduziert in Farbe und Form, sie beruhen auf abstrakten Konstruktionen, die mehr oder weniger stark deutlich werden. Die schwarzen Vögel sind präsent hinter weißen Rastern, desgleichen das Gestänge, die beiden Acrylbilder beruhen entweder auf Balken und Gestängen oder es liegt ihnen ein konstruktives System zugrunde (schwarze und weiße Quadrate bzw. gerasterte Abdrücke)

Claudia Bormann
 

Imme Feldmann:
Ich druckte anlässlich der „Kafka“-
Ausstellung drei neue Arbeiten: „Blumfeld, ein älterer Junggeselle“, „Ein Käfig ging einen Vogel suchen“ sowie „Figur I“. Die Holzdrucke sind schwarz-weiß gehalten, eine vierte Arbeit heißt „Straßenmusik“.

„Blumfeld, ein älterer Junggeselle“ erschien mir nach dem Lesen der Kafka-Monographie von Klaus Wagenbach, als sehr bezeichnende Geschichte. Ich las über Kafkas geplatzte Verlobungen mit Felice Bauer, seinen unbedingten Wunsch zu schreiben und seine nachfolgenden Bekanntschaften mit Frauen. (Blumfeld überlegt, sich einen Hund anzuschaffen und findet zwei tanzende Bälle in seinem Zimmer.

„Ein Käfig ging einen Vogel suchen“ ist eine Umsetzung - evtl. Illustration - eines Satzes von Kafka, wiewohl der Satz gleichnishaft gemeint ist. Darin gibt es, wie auch in der Blumfeld-Geschichte, ein skurriles Element. (Kafka dachte viel über Gefängnisse, Beengtheit, Gefangensein nach, erfuhr jedoch in der Beschränkung des „Gefangenseins“ auch eine gewisse Kraft - zum Schreiben)

„Figur I“ ist in Assoziation zur Kindheit Kafkas entstanden, die - laut Wagenbach - ziemlich unglücklich gewesen sein muss; das Individuelle wollte man dem Jungen nicht gestatten.„Figur I“ zeigt einen Jungen in Stiefeln und mit Hut, der sich „groß träumt“, ist gleichzeitig eine Figur in der Vereinzelung.

„Straßenmusik“ ist ein Bild über einen Künstler allgemein, der für seine Kunst ein paar Groschen - und einen Knopf - bekommt. Bekanntlich ging Kafka einem Brotberuf nach, um den Ansprüchen des Vaters zu genügen und unabhängig zu sein

 

 

Wiebke Logemann:
Ausgebildet als literarische Illustratorin, ist das Thema Kafka eigentlich ein Leckerbissen. In der Tat gehört Kafka zu den meist illustrierten Literaten. Die skurile (kafkaeske) Bildwelt lädt wohl dazu ein, diese durch eigene Kreationen zu verdeutlichen. Mich selbst hat es bisher eher abgeschreckt, zu den Texten auch noch Bilder auf Papier zu bannen, eben wegen dieser Stärke Kafkas. Denke ich z.B. an die Gehilfen, die Herrn K. in dem Roman: „das Schloss“ ständig umschwirren, so sind diese Kopfbilder so intensiv und verstörend, dass es große Begabung braucht, dem mit einer eigenen Bilderwelt gerecht zu werden. Wie mich nun dieser trotzdem oder gerade deshalb sehr reizvollen Aufgabe stellen.
Inhaltlich bündelnd, habe ich mich für eine Kurzgeschichte entschieden: in „Ein Bericht für eine Akademie“ hält ein Affe einen Vortrag über seine Lebensgeschichte, von der Gefangennahme bis zur „Hochentwicklung“ zum menschengleichen Wesen, geschehen durch Imitation der ihn umgebenden Menschen. In der Textillustration an sich und auch für mich, gilt es nun nicht nachzuerzählen,sondern über den Text hinaus gehende Bildideen zu finden. In meinen Zeichnungen beschäftigte ich mich mit den gestischen Parallelen von Affe zu Mensch, zuerst in suchend skizzierten kleinen Zeichnungen (DinA4), anschließend in großen expressiven schwarzen Tuschezeichnungen (neun Zeichnungen ca.0,70 x 3 m) auf stark geleimten Papier.

Es bleibt der Versuch einer Annäherung.

Wiebke Logemann

Lesung Texte aus/über Kafka -
Gesa Boysen und Matthias Jaschik, Samstag, den 10.03. um 19:30 Uhr
Mitglieder des Theater im Werftpark Kiel