Sonia Jakuschewa & Jan Koblasa vom 4.6. bis 8.8.2008
"...und Moskau so weit... " dazu Lesungen "Rilke und Rußland" mit Gesa Boysen und Matthias Jaschik
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...und Moskau so weit…
Landschaften – Liebesbriefe – Träume
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ist der Titel der Ausstellung von Sonia Jakuschewa, der in Hamburg lebenden russischen Malerin, die in unseren Räumen vom 4. Juni bis zum 8. August 2008 zu sehen ist. Gleichzeitig werden einige Holzplastiken und die „ Ikonen“ – Papierkollagen ihres Ehemannes, des Bildhauers Jan Koblasa, welche 1996 nach seiner Moskauer Reise entstanden – gezeigt. Die Ausstellung erfolgt im Rahmen des Kultursommers Schleswig-Holstein. Der Gesamtprojekt wird unter dem Länderschwerpunkt ,,Rußland’’ und in Kooperation mit dem diesjährigen Musikfestival veranstaltet.
Im Mittelpunkt stehen die Textbilder von Sonia Jakuschewa: Die Werkgruppe bezieht sich thematisch auf den langjährigen Briefwechsel zwischen Rainer Maria Rilke und der russischen Schriftstellerin Lou Andreas Salome. Sie stellt eine Erweiterung der bereits seit Mitte der 1990er Jahre das Schaffen der Künstlerin dominierenden Liebesbriefmotivik dar. Die ersten Arbeiten der skripturalen Malerei Sonia Jakuschewas waren der Korrespondenz zwischen Hamburg und dem fernen Moskau gewidmet: dem Gespräch in Briefen – und zugleich ihrer Begegnung – mit dem Bildhauer Jan Koblasa. Die signifikante Wiederholung des Briefzitats ...und Moskau ist so weit… bildete den roten Faden der ganzen Serie, und an der Wand entlanggezogene Bildstreifen aus schmalen Schrifttafeln riefen Assoziationen an die weite russische Landschaft hervor: die Schrift als Spur.
Die Künstlerin arbeitet gerne in Werkzyklen. In einem Katalog von 1996 heißt es: ,,[In ihrer Kunst] fließt das Geistige und das Schöpferische zusammen. Sie zitiert Erlebtes, collagiert Worte auf Papier, skulptiert und fragmentiert Farben in Rhythmen, die sich auf dem nächsten Bild fortzusetzen scheinen“. *
* Zit. nach: In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen (Joh. 14,2), Ausst.Kat. ,,20 Jahre Michaeliskapelle Schleswig 1974-1994’’, Schleswig 1996, S. 14.
Die Kieler Ausstellung wird durch die Gemälde aus der Moskauer Schaffensphase der Künstlerin ergänzt. Diese sind farbig und wirken – trotz der offensichtlichen Reduktion der Formensprache – expressiv. Die reliefartige Faktur (so die Spannung zwischen der glatten Grundfläche und den kräftigen Farbsetzungen) sowie die plastisch wirkenden Schraffuren entsprechen der ursprünglichen Rauheit der Natur, der kontrastreichen Dichte und der großräumigen Schönheit der russischen Landschaft. Beachtenswert ist auch die geradezu minimalistische Strenge der Farbgestaltung. Die meisten der gezeigten Bilder sind ganz in Schwarz oder Rot gehalten. Das erinnert an die ästhetischen Qualitäten, den dynamischen und stark farbigen Charakter der russischen avantgardistischen Malerei.
In ihren neueren Bildern beschäftigt sich Sonia Jakuschewa mit dem Wechselspiel von Text und Bild. Dabei kommt sie bewußt auf ihre Moskauer Erfahrungen zurück: Die Schriftelemente bilden auch hier eine wesentliche, formtragende und sinnstiftende Komponente, wenngleich diesmal mit Farbordnungen und malerischer Raumstruktur auf neue Weise in Dialog gebracht. Diese Arbeiten tragen der Titel ,,Träume’’. Es wird ein Bildraum konzipiert, der mit vielen Bedeutungsebenen ausgestattet ist: eine komplexe, verwobene Erinnerungs- und Erlebniswelt. Der eigene russische Hintergrund – in Kunstform erfaßt – wird aufs neue formuliert bzw. e r f a h r b a r gemacht.


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