Aktuell: 2.11.-30.11.08 Filipa César (Berlin, Lissabon)- Nermine El Ansari (Kairo)

Olja Kozlova vom 5.4. bis 21.5.2008

"Raum der unbekannten Sprache"

 
rote Nüsse

Eröffnung am Samstag, 5. April 2008, 19:00 Uhr - Einführung: Therese Chromik, Autorin

Während der ersten drei Studienjahre habe ich verschiedene Medien ausprobiert, um das ausdrücken zu können, was für mich wichtig ist. Ich wollte immer und will immer noch durch meine Kunst das Poetische, das oft Unbemerkbare, das, woran man leicht vorbeigehen kann, das, was man oft als grauen Alltag wahrnimmt, ohne sich die Zeit zu nehmen und zu merken, wie intensiv dieser Alltag ist, sichtbar machen. Ich will das, was ich sehe und erlebe, so darstellen können, dass eben das, was für mich wesentlich ist - die Poesie des Alltags - sichtbar wird. Von daher war es für mich ziemlich schnell klar, dass ich von der Realität geprägt bin und ich mich durch gegenständliche, realistische Kunst ausdrücken will. Aber es war für mich auch wichtig, dass das "Ich", "meine innere Sicht", "meine Ansicht" da ist. Nach der langen Suche habe ich verstanden, dass es zwei Medien sind, die mir das erlauben, was ich will: Malerei und Video (oder eventuell Text-Bild Arbeiten). Ich glaube auch, dass diese zwei Medien nicht sehr weit auseinander sind, weil sie beide dem Zuschauer eine Zeit, in der er sich bewegen kann, anbieten; weil diese beide die Möglichkeit geben, die äußerliche Realität und die innere Realität zusammenzubringen; weil diese beide dem Künstler ermöglichen, den Zuschauer darauf hinzuweisen, wie der Künstler die gegebene Realität wahrnimmt: in Malerei - durch Farbe, Lichtakzente, dadurch, dass man etwas weglässt und etwas umgekehrt deutlicher macht, in Film – in meinem Fall am meisten durch Text (wobei Ton, Montage usw. auch oft dazu dienen).

Text spielt für mich eine entscheidende, sehr wichtige Rolle. Seit meiner Kindheit schreibe ich fast jeden Tag, oft merke ich, dass meine Gedanken von alleine zu Geschichten werden. Ja, ich brauche immer Geschichten, die ich aus dem Leben selbst nehme und durch den Filter meiner Emotionalität niederschreibe. Auch Malerei wird für mich oft zum Schreiben, ich sehe eine Landschaft, die mich fasziniert und plötzlich transformiert sie sich in ein Bühnenbild, das Spuren einer Geschichte hat. Und diese Geschichten sind keine Träume, verzerrte Erinnerungen oder Illusionen, sie sind ein Teil der Realität, da ich glaube, dass unsere innere Welt genauso real ist wie die äußere. In meinen Texten und Bildern beschreibe ich nur, ohne eine Aussage zu bieten, ich beschreibe, wie die äußere Welt und meine innere zusammenkommen.

Als Thema und Sujet interessieren mich am meisten Menschen und Orte. Orte, die Spuren von Menschen haben, Spuren von ihrer Geschichten. Landschaften fingen mich immer erst dann zu interessieren an, wenn sie mich dazu brachten, an Anwesenheit von Menschen zu denken

Die Bücher und Filme von Margarite Duras sind für mich wichtige Quellen für meine Recherche, genauso wie Dokumentarfilme von Chantal Akkerman. Die Stimmung, die Atmosphäre, die ich suche, finde ich in Filmen von M.-A Antonioni, Godar, Gus Van Sant. Diese inspirieren mich und bringen mich zum Nachdenken. Auch die Texte von Tonino Gurrero, der fast alle Drehbücher für Filme von Antonioni, Fellini, Teo Angelopelos geschrieben hat, haben mich sehr beeindruckt und beeinflusst. Ich glaube, dass eben mit den Filmen von Antonioni, die so malerisch und poetisch den Konflikt von Ort und Mensch (wie z.B. in der Film „Die Rote Wüste“) darstellen, habe ich ernsthaft angefangen zu denken, eine Künstlerin zu sein.

Die früheren Gemälde von Vassilly Kandinsky sind mir sehr verwandt. Aber aus der russische Kultur bin ich viel mehr von Poesie (M.Zwetaeva, A. Achmatowa, A. Puschkin…) beeinflusst als von der Bildenden Kunst.

Olja Kozlova ist in Sankt-Petersburg (Russland) aufgewachsen. Sie hat in Sankt-Petersburg, Kiel und Nantes Bildende Kunst studiert. Zurzeit lebt sie in Berlin und studiert an der Weißensee Kunsthochschule.

Vom 17. bis zum 30.3. liest Olja Kozlova am Literaturtelefon unter 0431/901-1156 und im Internet unter www.literaturtelefon-online.de aus ihrem Text „Weiter als alle ähnlichen Orte“ .

Was heißt, ein Zuhause, und was bedeutet, kein Zuhause zu haben? Wo liegt der Unterschied zwischen dem Reisen und dem Aufbrechen für immer? Was sucht man, wenn man wegfährt? Was findet man, wenn es keinen Weg zurück gibt? „Weiter als alle ähnlichen Orte“ ist ein Gedankenfluss – ein Dialog zwischen Ich und Ich. Der Text gibt keine Antworten, sondern auf poetische und bildnerische Weise verschiedene Ansichten.